Türchen Nr. 5

Das Waldhaus

Das Waldhaus

Das Waldhaus, illustriert von Heinrich Vogeler (1872-1942) (Quelle: www.maerchenatlas.de)

Ein armer Holzhauer lebte mit seiner Frau und drei Töchtern an dem Rande eines einsamen Waldes. Eines Morgens sagte er zu seiner Frau: „Lass mir ein Mittagsbrot von dem ältesten Mädchen hinaus in den Wald bringen, ich werde sonst nicht fertig.“ Mittags machte sich das Mädchen auf den Weg. Es ging auf gut Glück immer fort, bis die Nacht einbrach. Da erblickte es in der Ferne ein Licht und kam an ein Haus. Es klopfte an, und eine raue Stimme rief: „Herein!“ Das Mädchen trat auf die dunkle Diele und pochte an die Stubentür. „Nur herein,“ rief die Stimme, und es saß da ein alter, eisgrauer Mann. Am Ofen aber lagen ein Hühnchen, ein Hähnchen und eine buntgescheckte Kuh. Das Mädchen erzählte dem Alten sein Schicksal und bat um ein Nachtlager. Der Mann sprach: „Schön Hühnchen, schön Hähnchen und du, schöne bunte Kuh, was sagst du dazu?“ „Duks!“ antworteten die Tiere, und der Alte sprach: „Koch uns ein Abendessen.“ Das Mädchen kochte eine gute Speise, aber an die Tiere dachte es nicht. Es trug die volle Schüssel auf den Tisch, setzte sich zu dem grauen Mann und stillte seinen Hunger. Als es satt war und müde, sprach der Alte: „Steig nur die Treppe hinauf, so wirst du eine Kammer finden.“ Nach einiger Zeit aber kam der graue Mann, beleuchtete das Mädchen mit dem Licht, schüttelte den Kopf, öffnete eine Falltüre und ließ es in den Keller sinken.

Am nächsten Tag sollte die zweite Tochter ihrem Vater das Essen bringen. Es erging ihr ebenso wie ihrer Schwester und der graue Mann öffnete wieder die Falltüre. Am dritten Morgen machte sich die Jüngste auf. Doch es verlief sich und kam wie die anderen an das Waldhaus. Es bat, sie möchten es über Nacht beherbergen, und der Mann fragte wieder seine Tiere. „Duks!“ sagten sie. Da trat das Mädchen an den Ofen und liebkoste die Tiere. Und als es auf Geheiß des Alten eine gute Suppe bereitet hatte, fütterte es erst die Tiere und aß, was der Mann übriggelassen hatte. Die Tiere sagten: „Duks, Du hast mit uns gegessen, Du hast mit uns getrunken, Du hast uns alle wohlbedacht, wir wünschen dir eine gute Nacht.“ Da ging das Mädchen die Treppe hinauf und schlief ein.

Es schlief ruhig bis Mitternacht, da ward es so unruhig in dem Hause, als wenn die Treppe herabstürzte, und endlich krachte es, als wenn das ganze Dach zusammenfiele. Dann ward es wieder still. Am Morgen glänzte alles in königlicher Pracht und ein fremder Mann sprach: „Ich bin ein Königssohn und war mit meinen Dienern von einer bösen Hexe verwünscht worden und heute um Mitternacht sind wir durch dich erlöst und das alte Waldhaus ist wieder in meinen Palast verwandelt worden.“ Da sagte der Königssohn den drei Dienern, sie sollten Vater und Mutter des Mädchens zur Hochzeit herbeiholen. „Aber wo sind meine zwei Schwestern?“ fragte das Mädchen. „Die habe ich in den Keller gesperrt, und morgen sollen sie bei dem Köhler so lange als Mägde dienen, bis sie sich gebessert haben und auch die armen Tiere nicht hungern lassen.“


Wären im Waldhaus Schallschutztüren verbaut gewesen, wäre das Mädchen wohl nicht mitten in der Nacht aufgewacht.


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