Türchen Nr. 9

Der treue Johannes

Der treue Johannes

Der treue Johannes, illustriert von Max Slevogt (1868-1932) (aus „Der treue Johannes und andere Märchen“, Bruno Cassirer, 1922)

Es war einmal ein alter König, der war krank und wusste, dass er bald sterben würde. Da sprach er: „Lasst mir den getreuen Johannes kommen!“ Als er nun vor das Bett kam, sprach der König zu ihm: „Getreuester Johannes, ich fühle, dass mein Ende herannaht. Mein Sohn ist noch in jungen Jahren. Und wenn du mir nicht versprichst, ihn zu unterrichten in allem, was er wissen muss, so kann ich meine Augen nicht in Ruhe schließen.“ Da antwortete der getreue Johannes: „Ich will ihn nicht verlassen und will ihm mit Treue dienen, wenn’s auch mein Leben kostet.“ Da sagte der alte König: „Nach meinem Tode sollst du ihm das ganze Schloss zeigen. Aber die letzte Kammer in dem langen Gange sollst du ihm nicht zeigen, worin das Bild der Königstochter vom goldenen Dache verborgen steht. Wenn er das Bild erblickt, wird er eine heftige Liebe zu ihr empfinden und ihretwegen in große Gefahren geraten; davor sollst du ihn hüten.“ Und als der treue Johannes dem alten König die Hand darauf gegeben hatte, ward dieser still, legte sein Haupt auf das Kissen und starb.

Als es an der Zeit war führte der treue Johannes den jungen König überall herum, auf und ab, und ließ ihn alle die Reichtümer und prächtigen Kammern sehen, nur die eine Kammer öffnete er nicht, worin das gefährliche Bild stand. Der junge König aber merkte wohl, dass der getreue Johannes immer an einer Tür vorüberging, und wollte die Türe mit Gewalt öffnen. Da sah der getreue Johannes, dass es nicht mehr zu ändern war, und suchte mit schwerem Herzen und vielem Seufzen aus dem großen Bund den Schlüssel heraus. Als er die Tür geöffnet hatte, trat er zuerst hinein und dachte, er wolle das Bildnis bedecken, dass es der König vor ihm nicht sähe. Aber was half das? Der König stellte sich auf die Fußspitzen und sah ihm über die Schulter. Und als er das Bildnis der Jungfrau erblickte, da fiel er ohnmächtig zur Erde nieder. Als er wieder zu sich selber kam sprach er: „Mein Leben setze ich daran, dass ich sie erlange. Du bist mein getreuester Johannes, du musst mir beistehen.“

Der treue Diener besann sich lange, und endlich hatte er ein Mittel ausgedacht. Dann fuhren sie über das Meer und fuhren so lange, bis sie zu der Stadt kamen, worin die Königstochter vom goldenen Dache wohnte. Der treue Johannes lockte die Königstochter mit viel Gold zum Schiff, und der König führte sie hinein; der getreue Johannes aber blieb zurück bei dem Steuermann und hieß das Schiff abstoßen. Der König aber fasste die Königstochter bei der Hand und sprach: „Ich bin ein König und nicht geringer an Geburt als du bist. Aber dass ich dich mit List entführt habe, das ist aus übergroßer Liebe geschehen. Das erste Mal, als ich dein Bildnis gesehen habe, bin ich ohnmächtig zur Erde gefallen.“ Als die Königstochter vom goldenen Dache das hörte, ward sie getröstet, und ihr Herz ward ihm geneigt, so dass sie gerne einwilligte, seine Gemahlin zu werden.


In einem Schloss gibt es sehr viele Türen. Um sie alle sauber zu halten, hält sich der treue Johannes an unsere Reinigungstipps.


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