Türchen Nr. 10

Die zertanzten Schuhe

12 Prinzessinen lauschen an der Tür

Die zertanzten Schuhe, illustriert von Dorothée Duntze (NordSüd Verlag)

Es war einmal ein König, der hatte zwölf Töchter, eine immer schöner als die andere. Sie schliefen zusammen in einem Saal, und abends verriegelte der König die Tür. Am Morgen aber sah er, dass ihre Schuhe zertanzt waren, und niemand konnte herausbringen, wie das zugegangen war. Da ließ der König ausrufen, wer“s könnte ausfindig machen, der sollte sich eine davon zur Frau wählen und nach seinem Tod König sein: wer sich aber meldete und es nach drei Tagen und Nächten nicht herausbrächte, der hätte sein Leben verwirkt. Es kamen viele und meldeten sich zu dem Wagestück, sie mussten aber alle ihr Leben lassen. Nun trug sich‘s zu, dass ein armer Soldat sich auf dem Weg nach der Stadt befand. Da begegnete ihm eine alte Frau. Der Soldat sprach: „ich hätte wohl Lust, ausfindig zu machen, wo die Königstöchter ihre Schuhe vertanzen, und danach König zu werden.“ „Das ist so schwer nicht,“ sagte die Alte, „du musst den Wein nicht trinken und musst tun, als wärst du fest eingeschlafen.“ Darauf gab sie ihm ein Mäntelchen: „Wenn du das umhängst, so bist du unsichtbar und kannst den zwölfen nachschleichen.“ So ging der Soldat vor den König und meldete sich als Freier.

Er ward gut aufgenommen und abends ward er in das Vorzimmer geführt, und die älteste brachte ihm einen Becher Wein: aber er trank keinen Tropfen. Dann legte er sich nieder, und bald fing er an zu schnarchen wie im tiefsten Schlaf. Das hörten die Königstöchter und holten prächtige Kleider heraus. Wie sie alle fertig waren ging die ÄIteste an ihr Bett und klopfte daran: alsbald sank es in die Erde, und sie stiegen durch die Öffnung hinab. Der Soldat hing sein Mäntelchen um und stieg hinter der jüngsten mit hinab. Sie kamen zu einem großen Wasser, darauf standen zwölf Schifflein, und in jedem Schifflein saß ein Prinz und jeder nahm eine zu sich, der Soldat aber setzte sich mit der jüngsten ein. Sie ruderten hinüber und jeder Prinz tanzte mit seiner Liebsten bis alle Schuhe durchgetanzt waren. Die Prinzen fuhren die Königstöchter über das Wasser zurück, und der Soldat setzte sich vorne hin zur ältesten. Am Ufer lief der Soldat voraus und legte sich in sein Bett, und als die zwölf langsam und müde heraufgetrippelt kamen, schnarchte er schon wieder.

Am andern Morgen wollte der Soldat nichts sagen, sondern ging die zweite und die dritte Nacht wieder mit. Da war alles wie das erste Mal, und sie tanzten jedes Mal, bis die Schuhe entzwei waren. Als die Stunde gekommen war, wo er antworten sollte, ging er vor den König, die zwölfe aber standen hinter der Türe und horchten, was er sagen würde. Als der König die Frage tat „wo haben meine zwölf Töchter ihre Schuhe in der Nacht vertanzt?“ so antwortete er „mit zwölf Prinzen in einem unterirdischen Schloss.“ Da ließ der König seine Töchter kommen und sie mussten alles eingestehen. Darauf fragte ihn der König, welche er zur Frau haben wollte. Er antwortete „ich bin nicht mehr jung, so gebt mir die älteste.“ Da ward noch am selbigen Tage die Hochzeit gehalten und ihm das Reich nach des Königs Tode versprochen.

„Die zertanzten Schuhe“ ungekürzt (pdf)


Raumhohe Türen sind nicht nur im prunkvollen Prinzessinen-Schloss beeindruckend.


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